Wettbewerb
„BodenWertSchätzen“: kreative Projekte ausgezeichnet ©DBU/Michael Münch

Osnabrück. Die Sieger im bundesweiten Wettbewerb „BodenWertSchätzen“ stehen fest. 19 „Leuchtturmprojekte“ sind von einer Fachjury aus den insgesamt knapp 160 Bewerbungen für das Finale in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt nominiert worden. Die Hauptpreise in den fünf Kategorien gingen nun nach Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Mit Sonderpreisen wurden Projekte aus Berlin, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hamburg geehrt. Preisträger und Platzierte freuen sich über insgesamt 75.000 Euro, die der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) ausgelobt haben.

Für die Generalsekretäre Dr. Heinrich Bottermann (DBU) und Prof. Dr. Günther Bachmann (RNE) ist dies ein Signal weit über den Bodenschutz hinaus. Gesellschaftliche Kreativität und Engagement zeigten neue Lösungen für den Umweltschutz auf, stellten sie bei der Preisübergabe fest. Im Themenfeld „Landbewirtschaftung“ fiel Platz 1 (5.000 Euro) auf den Biohof Lex im bayerischen Bockhorn, ein seit 1980 ökologisch bewirtschafteter landwirtschaftlicher Betrieb, der mit seinem kleinen Hofladen eine eigene Vermarktung und mit seinem Qualitätsbewusstsein einen Kundenstamm aufbauen konnte. Heute hat der Hof eine funktionierende Vermarktung und übernimmt soziale Verantwortung mit der Veranstaltung des Schulklassenprogramms „Erforsche die VIELFALT auf einem Biohof“. Darin werden Schüler spielerisch an das Thema „biologische Vielfalt“ in Verbindung mit Ökolandbau und gesunder Ernährung herangeführt. Der Wissenschaftsladen Bonn landete im Themenfeld „Flächennutzung, -management und -recycling“ mit seiner dreijährigen Kampagne „Natur in graue Zonen bringen“ ganz vorn (5.000 Euro).

Die Kampagne zielt in Nordrhein-Westfalen darauf ab, Bürger für die innerstädtischen Spielräume und Potenziale einer Flächen-Entsiegelung und entsprechender Begrünungen zu sensibilisieren. Eingangsbereiche, Parkplätze, Aufenthaltsbereiche werden zu einer „grünen Visitenkarte“, die die Stadt lebenswerter werden lässt. Unternehmen gewinnen zusätzlich an Attraktivität für Kunden und Mitarbeiter. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (Magdeburg, Sachsen-Anhalt), die ca. 75.000 Hektar land- und forstwirtschaftliche Fläche verwaltet, sicherte sich im Themenfeld „Ausgestaltung von Pachtverträgen“ den Sieg (5.000 Euro).

Bei der Pächterauswahl stehen nicht nur die wirtschaftlichen Aspekte im Vordergrund, sondern die regionale Bewirtschaftung und der nachhaltige Umgang mit dem Boden. Insbesondere auf Bodengesundheit, Gewässer- und Artenschutz ist zu achten. Bodenerosion ist mit zumutbarem Aufwand zu vermeiden. Fäkal- und Klärschlämme, gewerblicher Kompost, Papierschlämme oder vergleichbare Stoffe dürfen auf die Flächen nicht aufgebracht werden. „2000m2“ ist der Titel eines Projektes der Zukunftsstiftung Landwirtschaft (Berlin), das sich im Themenfeld „Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit“ durchsetzte (5000 Euro). Vor dem Hintergrund eines für die globale Landwirtschaft als notwendig erachteten Paradigmenwechsels suchten die Initiatoren nach einem verständlichen Symbol, mit dem sich diese komplexe Materie bildhaft darstellen und in einfachen Geschichten erzählen lässt.

Die Tatsache, dass 1,4 Milliarden Hektar Ackerfläche weltweit rund sieben Milliarden Menschen ernähren, bietet ein eingängiges Bild: Auf 2000 Quadratmetern muss alles wachsen, was ein Mensch an Ackerfrüchten verbraucht. Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft beschreibt auf einer Webseite, in Leporellos und Broschüren in verschiedenen Sprachen, was es mit „meinen 2000m²“ auf sich hat. Zusätzlich wurde ein „Kleiner Weltacker an der Havel“ angelegt, der öffentlich bestellt wird und zeigt, dass „2000m²“ mehr als genug sind, um einen Menschen gut und gesund zu ernähren. Im Themenfeld „regionaler Garten- und Gemüsebau“ siegte die ANNALINDE GmbH (Sachsen), die im Leipziger Westen soziale, urbane Landwirtschaft betreibt (5.000 Euro). Ziel ist es, Orte des Austausches und des Lernens zu Fragen des lokalen und ökologischen Anbaus von Lebensmitteln, der biologischen Vielfalt, des nachhaltigen Konsums, des verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen und einer zukunftsfähigen Nachbarschafts- und Stadtentwicklung zu schaffen. Die gemeinnützige Organisation betreibt einen Gemeinschaftsgarten und belebt eine Gärtnerei wieder, in der Gemüse nach den Maßstäben des ökologischen Landbaus ebenso wie soziales Miteinander und wechselseitiges Lernen kultiviert werden. Sie sieht sich als modellhaftes Bindeglied und Multiplikator zwischen der regionalen, ökologischen Landwirtschaft sowie regionalen Verbrauchern. Neben den Siegern in den fünf Kategorien wurden die jeweiligen Zweit- und Drittplatzierten mit Preisgeldern von 3.000 beziehungsweise 2.000 Euro ausgezeichnet.

Mit Sonderpreisen (jeweils 5.000 Euro) ausgezeichnet wurden Barbara Geiger (Berlin) mit ihrem Projekt „Fräulein Brehms Tierleben“, das BioDorf Eichstetten (Baden-Württemberg), die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (Bad Honnef, Nordrhein-Westfalen) für ihre Feldrandschilder „Wir stehen auf Boden“ und die Susila Dharma – Soziale Dienste (Hamburg) für ihr Projekt zur nachhaltigen ländlichen Entwicklung in Karnataka, Indien. Eine Übersicht aller Finalteilnehmer ist auf der Wettbewerbs-Homepage zu finden: http://www.bodenwertschaetzen.de/nominierte.html Die Vielzahl der Themenfelder und die eingereichten Projekte hätten „deutlich gemacht, dass engagierte Menschen und Gruppen unterschiedliche Beiträge zum Schutz des Bodens in den verschiedenen Feldern leisten können. So werden auch andere animiert, für den Schutz unseres wertvollen Bodens aktiv zu werden. Umfassender Bodenschutz kann nur gelingen, wenn die Bedeutung und der Wert der Böden, deren Gefährdung und Nutzung und die daraus resultierenden Folgen allen Bevölkerungskreisen bewusst werden“, betonte DBU-Generalsekretär Bottermann anlässlich der Preisverleihung. RNE-Generalsekretär Bachmann erklärte: „Allein Deutschland verliert täglich circa 75 bis 80 Hektar Boden. Die Ursachen sind vielfältig, die Wirkung gleich: Wertvolle Böden gehen meist unwiederbringlich verloren. Dabei brauchen wir intakte Böden für den Klimaschutz, die Artenvielfalt und eine gute Ernährung dringender denn je.“ Der Wettbewerb habe, so Bachmann und Bottermann, die zentralen Ziele der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zum Artenschutz, zur Biodiversität, zur Vermeidung der Flächeninanspruchnahme und zur nachhaltigen Landbewirtschaftung aufgegriffen und Lösungen gezeigt. „Deutschland kann Kreativität“, so Bachmann, „weil es den ausgezeichneten Projekten mit Kreativität und Engagement gelingt, die oft unterschätzte Ressource Boden aufzuwerten und interessant zu machen“.

Dem Rat für Nachhaltige Entwicklung gehören 15 Personen des öffentlichen Lebens an, die von der Bundeskanzlerin für eine Mandatszeit von drei Jahren berufen werden. Zu den Aufgaben des Rates gehören die Entwicklung von Beiträgen zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, die Benennung von konkreten Handlungsfeldern und Projekten sowie Beiträge, um Nachhaltigkeit zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen zu machen. Mehr unter www.nachhaltigkeitsrat.de Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert die Kreativität kleiner Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreize für ökologische Innovationen. Sie setzt durch die Förderung umweltfreundlicher Produktionsverfahren auf den vorbeugenden Umweltschutz. Sie unterstützt den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen Stellen. Bisher wurden fast 9.000 modellhafte, umweltentlastende und innovative Projekte mit rund 1,58 Milliarden Euro in Umwelttechnik, -forschung, -kommunikation, Natur- und Kulturgüterschutz gefördert.

Mehr unter: www.dbu.de Weitere Informationen: https://www.dbu.de/123artikel36559_2362.html