Bioabfall
Bioabfälle gehören in die braune Biotonne oder auf den privaten Komposthaufen bzw. in den Komposter im Garten. Daraus wird schließlich wertvoller Kompost, der zur Bodenverbesserung verwendet wird.
©Alexander Stahr

In der Küche geht es rund. Die Kohlröschen des Brokkolis werden abgeschnitten, der Strunk fliegt in den Müll. Auch der nicht mehr ansehnliche Salatkopf, der im Kühlschrank lange übersehen wurde, landet ebenfalls dort. Eigentlich schade. Deshalb hat man schon vor vielen Jahren die Biotonne eingeführt. Wer keinen Garten hat, kann die Abfälle aus der Küche oder die in den Ferien vertrocknete Zimmerpflanze in die Biomülltonne werfen. Der Inhalt der Tonne wird schließlich professionell in Kompostierungsanlagen zu wertvollem Kompost umgewandelt, den man kaufen kann. Das reduziert auch die Müllberge.

Kompost schon die Umwelt

Wenn man jedoch einen Garten hat, einen eigenen oder einen gemieteten Kleingarten, dann braucht man keinen Kompost zu kaufen. Viele Garten- und Küchenabfälle kann man selbst kompostieren. Das spart Geld und ist noch viel besser für die Umwelt als die Biotonne. Denn die Biotonne muss von einem Fahrzeug abgeholt werden, das die Umwelt belastet. Kurzum selbst kompostieren spart Geld, schützt die Umwelt und macht auch noch Spaß, wenn das Ergebnis richtig gut ist. Dazu muss man ein paar Dinge beachten.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu kompostieren. Mit einem einfachen Komposthaufen oder mit einem Schnellkompostierer, Wurmkompostierer, einem zusammensteckbaren Holzkompostierer oder mit einem, wie auch immer, selbst konstruierten Gefäß.

Fast wie in der Natur

Schnellkomposter
Wer alle Bioabfälle aus dem Haushalt und dem Garten selbst kompostieren kann, braucht keine braune Biotonne. In manch einem Garten findet sich ein solcher Schnellkomposter.
©Alexander Stahr

Beim Vorgang des Kompostierens (von lateinisch componere = zusammensetzen) werden die Pflanzenabfälle von Tieren, Pilzen und Mikroorganismen zersetzt und es entstehen neue organische und mineralische Stoffe durch die Ausscheidungen der Lebewesen. Das Gleiche passiert in der Natur auf und im Boden. Besonders wertvoll sind die entstehenden Huminstoffe, sehr komplex aufgebaute organische Makromoleküle, die nur schwer weiter abbaubar sind und deshalb lange im Boden verweilen. Einige Pilze und Bakterien schaffen es dennoch, die Huminstoffe langsam abzubauen. Dabei werden allmählich Nährstoffe wie Stickstoff, Schwefel oder Phosphor frei. Diesen Vorgang nennt man auch Mineralisierung. Huminstoffe können auch Nährstoffe austauschen, halten Wasser im Boden und verbinden sich mit Tonteilchen, wodurch der Boden locker und krümelig wird.

Komposter
Komposter im Eigenbau. ©Alexander Stahr

Nun könnte man auch hergehen und die Pflanzenabfälle direkt auf den Gartenboden werfen. Prinzipiell wäre da nichts einzuwenden. Aber wer will denn einen abgenagten Apfel, Teebeutel oder Eierschalen im Beet haben? Außerdem haben Pflanzen unterschiedliche „Geschmäcker“. Die eine Pflanze mag als Nahrung mehr Stickstoff, die andere vielleicht gar keinen. Im Kompost sind die Nährstoffe gemischt, und die Pflanze kann sich nach ihrem Geschmack bedienen. Verrottet ein Teebeutel unter einer Pflanze, dessen Verrottungsprodukte sie nicht mag, nützt das Ganze nicht viel. Zudem kann bei einzelnen Abfällen Fäulnis auftreten, die auf andere Pflanzen übergehen kann. Kompost ist hingegen gut „vorverdaut“, so dass Nährstoffe rascher verfügbar werden und vor allem auch gut gemischt. Außerdem werden giftige Pflanzenbestandteile bei der Kompostierung zersetzt und abgebaut.

Was darf auf den Komposthaufen oder in den Komposbehälter?

  • Blumen
  • Zierpflanzen mit Wurzelballen
  • Grünschnitt aus dem Garten
  • Laub
  • Kaffeesatz
  • Tee mit und ohne Beutel
  • Obst und Gemüse, auch gespritzte Schalen
  • Eierschalen
  • Normales Papier, Zeitungspapier in kleinen Mengen
  • Brot und andere Getreideprodukte
  • Mist von Kleintieren, Pferden und Rindern in Maßen
  • Erde und mineralische Substrate in Maßen

Und was nicht?

  • Papier und Pappe die (hochglanz) bedruckt sind (außer Zeitungen in kleinen Mengen)
  • Glas, Metall und Kunststoffe
  • Öl und Farbreste
  • Rasenschnitt in größeren Mengen
  • Bauschutt
  • Staubsaugerbeutel
  • Tierische Abfälle wie Fleisch und Fleischprodukte
  • Gekochte Essensreste mit Fleisch, auch mit Gemüse
  • Tabakwaren
  • Größere Mengen an schwer verrottbarem Laub
  • Wurzeln und Samen von Unkräutern
  • Kranke Pflanzen und Pflanzenteile

Damit problematische Keime und Stoffe inaktiviert werden, müssen im gesamten Kompostmaterial über eine Woche lang mindestens 65 °C oder über zwei Wochen mindestens 55 °C erreicht werden. Das gelingt beim Aufsetzen von großen Mengen an Bioabfällen im Kompostwerk. Auch alle anderen Bedingungen (Wassergehalt, pH-Wert etc.) sind dort optimal. Im privaten Gartenkompost werden diese Werte kaum erreicht. Deshalb sollten keine Materialien auf den Kompost, die schädliche Keime enthalten oder fördern können. So etwa gebrauchte Papiertaschentücher, Windeln, Fleisch oder Speisen.

Kompostierung
Kompostbox eines landwirtschaftlichen Betriebes. ©Ewald Langenscheidt

Miete oder Kompostbehälter?

Kompostieren kann man in Mieten (Komposthaufen) oder in einem Kompostbehälter. Eine Miete benötigt Platz und ist nicht gerade eine Zierde im Garten. In großen Gärten ist eine Miete kein Problem, da man sie dort anlegen kann, wo man sie vom gemütlichen Sitzplatz aus nicht sehen kann. Daher kommt für den gewöhnlichen Reihenhausgarten oder einen kleineren Schrebergarten eher ein Kompostbehälter für die Kompostierung in Frage. Dieser kann aus verwitterungsbeständigem Holz (Lärche) selbst konstruiert und gebaut sein oder fertig zum Zusammenbau gekauft werden. Dann gibt es im Handel mit Kunststoff beschichtete Metallkompostbehälter und eine Vielzahl an Kunststoffkompostbehältern, die auch als „Schnellkomposter“ oder „Thermokomposter“ bezeichnet werden. Welche Art der Kompostierung Sie wählen, ist letztendlich eine Frage der persönlichen Einstellung und des Platzangebotes in Ihrem Garten. Vom Prinzip her laufen bei beiden Kompostierungsarten die gleichen Prozesse ab.

Kompostieren in der Miete (für große Gärten)

Schritt 1: Suchen Sie im Frühjahr einen halbschattigen Standort in Ihrem Garten. Die Miete darf bei praller Sonne nicht schnell austrocknen, aber auch nicht völlig beschattet sein. Die Miete sollte eine Breite von mindestens zwei Metern haben, die Länge hängt vom Platzangebot und der geschätzten Menge an anfallenden organischen Abfällen im Garten und/oder Haushalt ab.

Schritt 2: Bereiten Sie den Untergrund der Miete vor. Sie sollte guten Kontakt mit dem Gartenboden bzw. mit den Bodenlebewesen haben, die in die Miete einwandern und dort ihre Zersetzungsarbeit verrichten. Daher den Gartenboden vor Aufsetzen der Miete oberflächlich mit einer Harke oder einem anderen Gartengerät lockern. Bei sehr lehmigem oder tonreichem Gartenboden darauf achten, dass sich unter der späteren Miete keine Mulden befinden, in denen es durch verzögerten Sickerwasserabfluss zu Wasserstau kommen kann, was zu unerwünschten Fäulnisprozessen und zur Geruchsbelästigung führen kann. Den Untergrund der Miete in diesem Fall also möglichst einebnen.

Schritt 3: Die unterste Lage der Miete besteht aus einer etwa zehn Zentimeter mächtigen Schicht aus grobem organischem Material, wie zerkleinerte Zweige oder ersatzweise aus grobem Rindenmulch oder Stroh, um überschüssiges Wasser abzuleiten und für eine ausreichende Belüftung der Kompostbasis zu sorgen.

Kompostierung
In der benachbarten Kompostbox ist die Kompostierung bereits stark fortgeschritten. ©Ewald Langenscheidt

Schritt 4: Zu kompostierendes Material pyramidenförmig, also nach oben hin schmäler werdend aufsetzen. Dabei trockene und feuchte Materialien vorher gut mischen. Abfälle von Sträuchern sollten zuvor mit der Gartenschere (bei kleineren Mengen) oder mit einem Häcksler zerkleinert werden, um den Mikroorganismen mehr „Angriffspunkte“ zu liefern. Holzige Abfälle enthalten mehr Kohlenstoff, Abfälle wie Grasschnitt, Blumen oder Obstabfälle mehr Stickstoff. Daher beide organische Abfallarten gut mischen, um eine ideale Verrottung durch die Mikroorganismen zu erzielen. Um den Verrottungsprozess optimal zu starten, ist eine Zugabe und Untermischung von fertigem Kompost nützlich, der bereits eine Vielzahl an zersetzenden Mikroorganismen enthält. Bei erstmaliger Kompostierung im eigenen Garten hilft vielleicht der Nachbar mit seinem fertigen Kompost aus. Falls nicht, sind im Handel erhältliche Zusätze wie Kompostbeschleuniger oder Kompoststarter erhältlich. Diese sind nicht unbedingt notwendig, wenn eine vielfältige und strukturreiche Mischung von organischen Abfällen in die Miete eingebracht werden. Zum schnelleren „Starten“ der Kompostierung können – sofern die Möglichkeit besteht – auch Beinwell-, Ackerschachtelhalm- oder Brennnesseljauche hinzugegeben werden, wobei die Feuchtigkeit nicht zu hoch werden darf.

Schritt 5: Auf die optimale Feuchtigkeit des organischen Materials achten. Die Miete darf weder zu feucht noch zu trocken sein. Das kann man mit der Faustprobe testen: Drücken Sie frisches zu kompostierendes Material in der Hand fest zusammen. Bleibt es ungefähr in der Form ohne dass Wasser austritt, ist die Feuchtigkeit optimal. Fällt das Material auseinander, so ist es zu trocken. Können Sie Wasser herausdrücken, ist das Material zu feucht. Trockenes Material gießen und zu feuchtes Material mit trockener Erde oder trockenem Häckselmaterial vermischen.

Schritt 6: Die Miete vor zu viel Nässe und Trockenheit schützen. Das kann z. B. durch Abdeckung mit einem speziellen Kompostvlies (Handel), mit einer Schicht aus Laub oder Erde erfolgen.

In einer dritten Box befindet sich der fertige Kompost. ©Ewald Langenscheidt
In einer dritten Box befindet sich der fertige Kompost. ©Ewald Langenscheidt

Schritt 7: Nach 6 Monaten umschichten. Dabei kommen auch randliche Materialien in innere Bereiche des Haufens. Dabei das Kompostmaterial auf Feuchtigkeit kontrollieren (Faustprobe). Anschließend stets abdecken der Miete nicht vergessen.

Schritt 8: Nach etwa 3-4 Monaten ist, je nach Materialzusammensetzung, sogenannter Frisch- oder Rohkompost entstanden. Er kann zum Mulchen oder als Bodenverbesserungsmittel oberflächlich in den Gartenboden eingearbeitet werden, um die Aktivität des Bodenlebens zu steigern. Nach etwa 1-3 Jahren (je nach Umwelteinflüssen im Garten) erhält man den Reifekompost. Bei diesem sind, abgesehen von kleinen Holzstückchen, keine Pflanzenteile mehr deutlich erkennbar und er ist von krümeliger Struktur. Der Reifekompost wird gesiebt. Die zurückbleibenden groben Bestandteile gibt man der nächsten Miete, dem nächsten Kompostbehälter bei oder nutzt sie als Mulchmaterial. Gesiebter, feiner Reifekompost kann sehr vielseitig eingesetzt werden. Beispielsweise zur organischen Düngung im Frühjahr und Sommer, zur Rasenpflege oder als Blumenerde für Topf- oder Balkonpflanzen. Der fertige Reifekompost sollte nicht zu lange Lagern, da sonst Nährstoffverluste entstehen.

Kompostieren im Kompostbehälter (kleine bis mittelgroße Gärten)

Hierbei sind prinzipiell die gleichen Schritte zu beachten wie bei der Kompostierung in der Miete (siehe oben). Wichtig bei einem Kompostbehälter ist daher auch, dass er unten offen ist und Bodenkontakt hat, damit Tiere wie Regenwürmer und Asseln sowie Mikroorganismen einwandern und mit dem Zersetzungsprozess beginnen können. Um den Vorgang der Kompostierung zu optimieren, sollte man auch im Kompostbehälter alle 6 Monate umschichten. So genannte Kompostier-Beschleuniger, die es im Garten- oder Baumarkt zu kaufen gibt, sind auch hier nicht notwendig. Die Zugabe von fertigem Kompost und/oder Jauchen ist jedoch bei der Kompostierung im Behälter hilfreich. Auch hier auf die optimale Feuchtigkeit achten. Die Reifedauer von Frisch- und Reifekompost entspricht derjenigen in der Miete.

Komposttest

Am Ende der „Reifezeit“ des Kompostes (Reifekompost) – gleich, welche Kompostierungsart Sie gewählt haben – kann man mit einem Pflanzentest prüfen, ob der Kompost gut ist. Man füllt in einen Blumentopf ein Gemisch aus 50 Prozent handelsüblicher Gartenerde und 50 Prozent Kompost. Dann säht man darin Kresse aus und feuchtet das Ganze an. Wenn die Kresse rasch und ohne Verfärbungen wächst, dann ist der Kompost gut. Wächst die Kresse hingegen nur ganz langsam und irgendwie merkwürdig, dann ist das Ergebnis der Kompostierung weniger gut. Der Kompost sollte dann einfach im Garten als Mulch auf den Boden gestreut werden.

Empfehlenswerte Kompostgaben zur Düngung im Garten
Gemüse pro Kultur Kompostgabe in Liter pro Quadratmeter
Hoher Nährstoffbedarf 3
Mittlerer Nährstoffbedarf 2
Geringer Nährstoffbedarf 1
Rasen, Stauden und Gehölze pro Jahr Kompostgabe in Liter pro Quadratmeter
Starkwüchsig 2
Schwachwüchsig 1
Rasen 2

 

Beheben von Problemen bei der Kompostierung im Garten
Problem Maßnahme
Nasser Kompost und Sickerwasser
  • Feuchte Abfälle mit trockenem Material mischen
  • Kompost abdecken
  • Auf ausreichende Verdunstungsmöglichkeiten im Kompostbehälter achten
  • Selbsterwärmung fördern durch gesiebte Grobteile eines ausgereiften Komposthaufens, Fertigkompost oder im Handel erhältliche Komposthilfen. Man streut diese zwischen das Kompostmaterial. Der Rotteprozess wird gefördert und der Komposthaufen erwärmt sich
Zu trockener Kompost
  • Kompost umsetzen (Miete) bzw. mischen (Behälter), dabei anfeuchten oder feuchte Abfälle dazugeben
Geruchsentwicklung
  • Krautige Abfälle mit verholzten Abfällen mischen
  • Kompost mit Erde abdecken
Kalter Kompost
  • Kompost umsetzten (Miete) bzw. mischen (Behälter) und im Verhältnis 1:1 Grasschnitt hinzugeben
  • Selbsterwärmung fördern
Unkraut im Kompost
  • Kompost abdecken
  • Selbsterwärmung fördern
  • Samentragende Pflanzenteile nicht kompostieren
Ratten oder andere Tiere
  • Keine Speisereste kompostieren
Fliegen
  • Küchenabfälle in tiefere Kompostschichten einmischen
Krankheitserreger
  • Keine erkrankten Pflanzenteile kompostieren

Eine weitere Übersichtstabelle zu Problemen beim Kompostieren

Fragen und Antworten zum Kompostieren