Klasse: Auenböden (≈ WRB Fluvisols, Cambisols)

Böden mit aAh/aM/(IIalC/)(II)aG-Profil

Auenboden
Vega oder Braunauenboden aus Auenlehm. Unter dem Ah-Horizont folgt der M- und schließlich der rostfleckige Go- Horizont. ©Alexander Stahr

In den Auen von Bächen und Flüssen findet sich der Bodentyp Vega (von spanisch = fruchtbare Erde), auch Braunauenboden oder Brauner Auenboden genannt, der zeitweiligen Überflutungen unterliegt. Die typische oder Normvega weist ein aAh/aM/(IIalC/)(II)aG-Profil auf (a von Auendynamik, Klammern = kann fehlen). Die Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft (DBG) und der Bundesverband Boden (BVB) haben im Jahr 2011 den „Braunen Auenboden“ zum Boden des Jahres gekürt.

Ausgangssubstrat dieses Bodens sind so genannte Auelehme. Bevor der Mensch in größerem Umfang in die Vegetation eingriff, gab es in den Tälern entlang der Bach- und Flussläufe kaum Lehm. Die Bäche transportierten Kies und Sand. Doch im Mittelalter begann der Mensch die Wälder verstärkt zu roden. Holz war die wichtigste Energiequelle. Brennholz und Holzkohle wurden überall benötigt. Auch als Baustoff war Holz nicht wegzudenken. Hinzu kam die Landwirtschaft, die immer größere Flächen für Äcker und Wiesen benötigte. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts dauerten die Rodungen an. Wo der Wald gerodet wird, ist der Boden der Erosion ausgeliefert, der Abspülung des Bodens durch Regen oder Schmelzwasser im Frühjahr. Gerade zwischen dem Mittelalter und der Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte ein kühleres Klima mit sehr häufigen Niederschlägen. Der Boden wurde stark erodiert und das abgespülte Material landete in den Tälern als Lehm oder Auenlehm.

Der Begriff Aue

Das ist die Bezeichnung für die von Überflutungen betroffenen Bereiche in einem Tal, die sich links und rechts des Baches oder eines Flusses erstrecken. Das Wort „Aue“ oder „Au“ ist auf das mittelhochdeutsche „Ahe“ zurückzuführen, das so viel wie Wasser bedeutet.


Der Braune Auenboden ist ein weit verbreiteter Bodentyp. Vor allem in den Unterläufen der Flüsse und im Tiefland nimmt er große Flächen ein, während die schmalen und steileren Oberläufe im Bergland nur selten größere Auen aufweisen.

Nutzung

Der Braune Auenboden ist prinzipiell ein guter landwirtschaftlich nutzbarer Boden. Allerdings besteht die Gefahr der Überschwemmung bei Hochwasser. In den Tälern muss man mit Spätfrösten rechnen. Im Winterhalbjahr ist der Boden sehr feucht, was eine zeitige Erwärmung und Bearbeitung im Frühjahr behindert. Daher ist Grünland letztendlich die vorwiegende Nutzungsart. An geschützten Standorten finden sich allerdings intensive Landwirtschaft und Sonderkulturen. Zugleich bergen diese Nutzungsarten auch die Gefahr, dass eingetragene und nicht speicherfähige Stoffe wie z. B. das Nitrat in den Untergrund versickern und schnell das hoch stehende Grundwasser erreichen. Besonders gefährdet sind die Böden aber durch Abgrabung, Verunreinigung und Überbauung infolge der Siedlungs- und Verkehrsausweitung.

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