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Nacktschnecke. ©Alexander Stahr

Zu Tausenden kriechen sie nachts aus dem Nichts heran. Lautlos lehren sie uns im Garten das Fürchten. Nach einer feuchtwarmen Nacht überkommt uns beim Anblick der Schleimspuren und Fraßstellen das Entsetzen. Von den Jungpflanzen ist nur ein Gerippe übrig und an manchen Stellen herrscht sogar gähnende Leere – die Keimlinge sind einfach weggeraspelt. In solchen Momenten erklärt man den schleimigen Viechern den Krieg.

Mechanische Methoden

Das Einsammeln erfordert zwar einen gewissen Aufwand, hat jedoch einen gewissen Vorteil. Man entfernt die Übertäter auf jeden Fall. Da die Schnecken nachts aktiv sind, fängt man sie am besten in der Abend- oder Morgendämmerung. Der beste Zeitpunkt hängt stark von feuchter Witterung ab. Neben betroffenen Beeten lohnt es sich auch, die naheliegende Wiese zu untersuchen und unter großen Blattern zu suchen. Während starker Regenfälle laufen uns Schnecken praktisch von alleine über den Gartenweg. Sehr effizient ist das Sammeln nach dem Hacken des Boden im Frühjahr, wenn man die Schnecken aus ihren Schlupfwinkeln aufschreckt. Nützlich sind auch Trittbretter zwischen den Beeten. Diese dienen als künstlicher Unterschlupf. Dreht man die Bretter um, so lassen sich die Schnecken einfach absammeln. Achtung: sammeln Sie nie mit bloßen Händen. Schneckenschleim lässt sich schwer mit Wasser abwaschen. Die Erfolgsrate lässt sich deutlich steigern, wenn man einen künstlichen Unterschlupf mit Ködern kombiniert.

Lieblingsspeisen als Lockmittel

Um die Schnecken von den wertvollen Pflanzen abzulenken, entscheiden sich Gärtner, andere Pflanzen zu opfern. Bekannt ist, dass Studentenblumen (Tagetes) Kriechtiere magisch anziehen. Außerdem entseuchen ihre Wurzeln den Boden von Nematoden. Sie eignen sich daher besonders gut als Randbepflanzung. Unter Gärtnern herumgesprochen hat sich auch eine Mischung aus Weizenkleie und einen kleinen Teil von angefeuchtetem Hunde- oder Katzentrockenfutter. Auch dieser Köder muss regelmäßig abgesammelt werden. Wer jedoch Köder auslegt und dann das Absammeln vergisst, hat mit großer Wahrscheinlichkeit relativ rasch mehr Schnecken als zuvor im Garten.

Bierfallen

Allgemein bekannt ist auch, dass Bier Schnecken aus der Ferne anlockt. Das Prinzip der Bierfalle ist ganz einfach. In den Boden wird ein Gefäß mit Bier versenkt. Die Tiere werden durch den Geruch angelockt und fallen beim Trinken berauscht in den Behälter, wo sie ertrinken. Bierfallen sind gelten vielerorts als die beste Möglichkeit Schnecken zu bekämpfen. Bedenken sollte man jedoch, dass dieses populäre Getränk offensichtlich so unwiderstehlich auf Schnecken wirkt, dass sie von weither angekrochen kommen, um es zu genießen. Kombinieren Sie daher diese Methode mit einem Schneckenzaun um das Beet.

Und so wird es gemacht

Als Gefäß eignet sich ein großer Joghurtbecher mit Deckel. Schneiden Sie am oberen Rand in 2 cm Abstand quadratische Ecken heraus, füllen Sie den Becher bis einen Zentimeter unter dem Rand mit Bier, setzen sie den Deckel darauf und graben sie ihn so ein, dass der Rand 1 bis 2 cm aus dem Boden heraussteht. Durch die Öffnungen haben die Schnecken Zugang zum Trank, der Deckel jedoch schützt den Inhalt vor Verwässerung durch Regen. Kontrollieren und leeren Sie den Behälter öfter. Ideal ist diese Kombination mit einem Schneckenzaun. Der Einsatz von Bierfallen ist besonders effektiv von November bis ins April. Damit verhindern sie erste Generation der Schneckeninvasion.


 

Ungeliebte Aromen

Manche Hersteller bieten Schneckengranulat an, dass mit stark duftenden Aromen versetzt ist, die Schnecken nicht mögen. Es muss jedoch nach einigen Wochen erneuert werden. Seit bekannt ist, das Koffein Schnecken töten kann, gilt zunehmend Kaffeesatz als Geheimtipp. Man kann ihn vermischt mit Sand in die Beete streuen. Hier zeigt sich zudem noch ein weiterer positiver Effekt: Er lockt Regenwürmer an und gleicht einen vielleicht überhöhten Kalkgehalt des Bodens aus.

Schneckenkorn und seine Wirkung

Hobbygärtner sind sich heutzutage einig, dass Giftstoffe nur als letztes Mittel und dann mit Bedacht eingesetzt werden sollten. Wenn die jährliche Schneckenplage einen jedoch an die Grenzen der Geduld bringt, ist es tröstlich zu wissen, dass Schneckenkorn nicht gleich Schneckenkorn ist. Das giftige Granulat gibt es mit zweierlei Wirkstoffen: Metaldehyd und Methiocarb. Beide Chemikalien werden mit Kleie als Lockmittel vermischt und dürfen maximal 2 mal im Jahr an der selben Stelle ausgestreut werden. Es empfiehlt sich grundsätzlich den Begleittext zu lesen. Egal welchen Wirkstoff Sie einsetzen, erwiesen ist, dass auch viele Nützlinge, wie Spitzmäuse, Vögel und Laufkäfer und auch Igel einen Schaden davontragen.

Seit einigen Jahren gibt es Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Eisen-III-Phosphat. Feramol heißt das Präparat von Neudorf. Laut Forschung ist dieses Präparat für Nützline unbedenklich und daher auch im biologischen Landbau und Garten einsetzbar. Nach Aufnahme des Schneckenkorns ziehen sich die Schnecken in ihre Verstecke zurück und verenden. Sie schleimen nicht aus, wie beim herkömmlichen Schneckenkorn. Besonders gut ist die Wirkung bei Feuchtigkeit, da die Pellets aufquillen und daher noch attraktiver auf die Schnecken wirken. Bei besonders hohem Befall kann man bis zu viermal im Jahr nachstreuen.

Pflanzen richtig bewässern

Schnecken lieben Feutigkeit. Gießen Sie daher ihre Pflanzen nur morgens und dann auch nur auf die Pflanzenwurzeln. Vermeiden Sie das Blattgrün zu gießen. Das führt zusätzlich zu einer guten Verankerung der Pflanzen im Boden. Achten Sie dazu auf die Gesundheit ihren Pflanzen und stärken Sie diese mit Organischen Düngern (Kompost, Hornspäne, getrockneten Rindermist).

Bodenpflege ist für Schnecken ungemütlich

Auf sandigen Böden hat man weiger Schnecken als auf schweren Tonböden. Mechanisches Lockern und Hacken des Boden führt zu einer krümligen Erde, belüftet den Boden und verminedert gleichzeitig die Rückzugsorte. Bei der herbstlichen Bodenlockerung können dabei gleich alle Schnecken abgesammelt werden. Je größer die Schneckengefahr, desto dünner sollten Mulchschichten aufgetragen werden. Dicke Mulchschichten aus Pflanzenabfällen wirken auf Schnecken anziehend und anmieren zur Eiablage. Wenn man das Mulchmaterial jedoch mit einem hohen Anteil an aromatischen Kräutern wie Liebstöckel, Oregano, Pfefferminze, Wermut oder Tomatenlaub mischt, hat sich das als schneckenfeinlich gezeigt. Es lohnt sich also im Garten einen Teil an aromatischen Kräutern zu pflanzen. Rindenmulch eignet sich nur unter Bäumen und Stauden. Es kann nur in sonnigen Lagen und frischen Zustand Schnecken abwehren.

Wildlebende Schneckenvertilger

Schaffen sie Lebensräume für Fraßfeinde. Zu den Schneckenfeinden gehören die Igel, Maulwurf und Spitzmaus aber auch die Wolfsspinne, der Weberknecht und Raubkäfer. Aber auch  für manche Vögel, wie unsere heimischen Drosseln, Schwarzdrosseln (Amseln), Stare, Elstern oder Möwen, sind heranwachsende Schnecken nahrhafte Leckerbissen. Die ausgewachsenen Exemplare werden jedoch von vielen Vögeln leider nur selten gefressen, da sie im Angriffsfall vermehrt Schleim produzieren und so eher verschmät werden. Zumindest Amseln  (Schwarzdrosseln) verschmähen auch keine ausgewachsenen Tiere. Die Schnecken werden von ihnen mit dem Schnabel gepackt und so lange auf dem Boden und anderen Untergründen hin und her gerieben, bis der Schleim entfernt ist.

In einem naturnahen Garten kann man für diese Tiere die erfoderlichen Lebensräume schaffen:

  • Vogelschutz- und Vogelnährgehölze
  • Trockenmauern
  • Gartenteich
  • Bereiche mit Schnittholz, Steinen oder Laub.

Ein natürlicher Feind sind außerdem Nematoden (Fadenwürmer). Sie kann man als Präparat kaufen und gießen. Allerdings wirken sie auch auf Gehäuseschnecken. Dazu zählt auch die geschützte Weinbergschnecke.

VideoLink

ARD- [W] wie Wissen: Ärger im Paradies – Gartenschreck Schnecken. Im Video werden 3 Methoden von Kleingärtnern vorgestellt und getestet.

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