"Igitt", "eklig" oder "iihhh!" wird manch ein Zeitgenosse oder manch eine Zeitgenossin sagen, wenn er oder sie an Würmer, Schnecken, Tausendfüßler, Käfer oder Asseln denkt. Doch diese Tierchen gehören zusammen mit einigen Bakterien, Protisten und Pilzen zu den wichtigsten Lebewesen unseres Planeten.
Klar, aus einer Handvoll humosen Oberbodens können ganz schön viele Tierchen herausspringen oder auf kriechende Weise die Flucht ergreifen. Doch das ist nur der sichtbare Teil der "Erdbevölkerung". In einem guten Boden wimmelt es nur so vor Leben. Und ohne Bodenleben gäbe es überhaupt keinen Boden, der den Pflanzen lebenswichtige Nährstoffe liefert. Somit gäbe es auch uns nicht. Springschwanz & Co. sei Dank! Die Gesamtheit der im Boden lebenden Organismen bezeichnet man in der Bodenkunde als Edaphon (von griechisch "edaphos" = Erdboden).
Zur Bevölkerungsdichte eines mitteleuropäischen terrestrischen Bodens (= nicht vom Grundwasser beeinflusster Boden) mit gut entwickeltem Oberboden (A-Horizont) ein paar Zahlen: Auf einer Fläche von einem Quadratmeter Oberboden von 30 Zentimetern Tiefe (= 300 Kubikdezimeter oder 300 Liter Boden) leben ein paar Regenwürmer. Im Schnitt etwa 80 bis 100.
Dann wuseln noch etwa 300 Asseln umher. Springschwänze sind schon häufiger anzutreffen. So um die 50.000. Das könnte für den Regenwurm schon ziemlich hektisch sein. Doch das ist noch gar nichts. Denn da kriechen noch eine Million Fadenwürmer herum, die von einer Milliarde Wimperntierchen umschwirrt werden.
Na ja, da interessieren den Regenwurm die eine Billion Bakterien kaum noch. Und der im Durchschnitt 0,0001 Mal vorkommende Maulwurf dürfte für ihn auch nicht von Interesse sein. Es sei denn, er käme ein Mal vor.
Außerdem gibt es noch zehn Milliarden Strahlenpilze, eine Milliarde Pilze und etwa eine Million Algen. Und sollte in der Nähe unseres Bodenstückes zufällig ein Ameisenhaufen stehen, kämen noch rund 400 Ameisen dazu. Denn ihr Bau setzt sich weit in den Boden hinein fort. Stände er darüber, wären es bis zu zwei Millionen von ihnen.
Ach ja: Auch wenn die Wurzeln der Pflanzen in der Bodenkunde definitionsgemäß bislang nicht zum Edaphon gerechnet werden, so leben sie doch im Boden. Sie verlassen ihn im Gegensatz zu Regenwürmern, Mäusen oder Hamstern noch nicht einmal. Deshalb kommen zu den Billionen an Lebewesen noch unzählige Wurzeln und Würzelchen hinzu. Im Boden leben somit Bakterien, Pilze, Protisten, Pflanzen und Tiere.
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